Chronik 1991 bis 2000

1991

Der neue Schwung des Chorleiters fruchtet schon nach nur drei Monaten in vielen neuen Ideen und Projekten.

Klaus Ullrich erweckt eine "Konzertreihe" mit dem Wiesbadener Knabenchor als Veranstalter zum Leben. Das erste Konzert findet am 10. Januar mit dem Bläseroktett der "Jungen Deutschen Philharmonie" im Christian Zais-Saal im Wiesbadener Kurhaus statt, das leider jedoch sehr schlecht besucht ist. Vom 22. bis 29. März geht der Chor auf die erste Ungarn-Konzertreise nach Budapest. Die Männerstimmen nehmen dabei am internationalen Chorwettbewerb unter der Schirmherrschaft von „Musica Mundi“ teil, mit einem achtbaren Erfolg und bronzenem Diplom. Die "Lamentationes" von Thomas Tallis sind Teil des Wettbewerbsprogramm und man erfreut sich auch des Zuwachs einiger Ehemaliger für die Konzertreise.

Zur Einführung von Klaus Ullrich in das Amt des Leiters des Wiesbadener Knabenchores findet am Sonntag Jubilate am 21. April ein Vespergottesdienst in der Kreuzkirche Wiesbaden statt.

Der goldene Oktober bringt die zweite Spanienreise vom 4. bis 14. Oktober mit Stationen in Barcelona, Madrid und San Sebastián und Chorkonzerten mit den „Musikalischen Exequien“ von Schütz, den „Lamentationes“ von Tallis, sowie geistliche Konzerten von Scheidt und Schütz.

Die Tradition des Weihnachtskonzertes wird am 22. Dezember mit der "Historia der Geburt Jesu Christi" von Heinrich Schütz wieder aufgenommen. Am heiligen Abend gestaltet der Chor in einer Direktübertragung einen Weihnachtsgottesdienst aus der Ringkirche im Zweiten Deutschen Fernsehen.

1992

"Eine heiße Zeit kommt auf uns zu ... ", so beginnt einer der Rundbriefe in diesem Jahr von Klaus Ullrich. Im März werden zwei Chorwochenenden in Langenseifen durchgeführt, vom 6. bis 11.4. eine Chorfreizeit in Neckarzimmern zur Vorbereitung der Johannespassion von Bach, welche dann am 15.4. in Bad Schwalbach, am 16.4. in Altenkirchen und am 17.4. im Rheingauer Dom (Geisenheim) mit großartigem Erfolg aufgeführt wird. Am 20.4. gestaltet man einen Rundfunkgottesdienst in Biebrich.

Das nächste große Werk lässt nicht lange auf sich warten. Im Mai wird die Marienvesper von Claudio Monteverdi in St. Marien in Biebrich aufgeführt. Zur Unterstützung wird ein Vokalensemble aus ehemaligen Männerstimmen des Knabenchors, sowie Solosängern, die aus früher Chorarbeit von Klaus Ullrich hervorgegangen sind, gebildet. Die Aufführung wird unter Verwendung historischer Instrumente wie Flöten, Zinken, Dulzian und barocken Streichinstrumenten, sowie der choreigenen Barockorgel durchgeführt. In Erinnerung bleibt die herausragende solistische Leistung von Julian Podger, der bereits die Johannespassion als Evangelist bravourös meisterte.

Der neue Chorleiter bringt auch einen Stilwechsel in der Chorliteratur. Begeistert von historischer Aufführungspraxis lautet das Motto des Chores jetzt um so mehr „Klasse statt Masse“ und „Leichtigkeit beim Singen“.

Die geplante Israelreise im Sommer muss leider wegen organisatorischen Problemen entfallen.

In der zweiten Jahreshälfte wird an mehreren Probenwochenenden eine a capella CD-Aufnahme mit Weihnachtsliedern vorbereitet. Sah man die Aufnahme nach dem ersten Aufnahmetag am 20.11. in der Oranier-Gedächtnis-Kirche wegen zu lautem Verkehrslärms schon beinahe gescheitert, so wurde mit eiserner Disziplin an den beiden folgenden Tagen in Delkenheim noch eine hörbare CD-Eigenproduktion auf die Beine gestellt.

Die Weihnachtszeit bringt ein dichtgedrängtes Programm. Der Chor tritt bei zwei Veranstaltungstagen von „Ihnen leuchtet kein Licht“ im Wiesbadener Kurhaus auf. Es folgen Konzerte mit internationalen Weihnachtsliedern (CD) in der Johanneskirche Bad Kreuznach (12.12.), in Kloppenheim (13.12.), in der Talkirche Eppstein (19.12.) und in der Bonifatius-Kirche in Wiesbaden (19.12.). Ein geplantes Konzert im Kurhaus entfällt leider.

Dieses Jahr gestaltet der Knabenchor zum ersten Mal die Christvesper in der Marktkirche mit, was sich als Tradition bis heute etabliert hat.

1993

Im Januar fahren 20 Mitglieder des Knabenchores zu einem Chorfestival mit landestypischen Weihnachtsliedern nach Danzig. Dort werden erste Kontakte mit dem litauischen Chor Aidija geknüpft, der dem Knabenchor noch mehrmals begegnet. Für die Männerstimmen wird die Reise zu einem unvergessenen Erlebnis der russischen Seele in puncto Trinkgebräuche.

Die Knabenstimmen wirken am 4.3. beim Konzert „Vaterunser“ (Paul Zoll) des Männerchores Bierstadt im Kurhaus Wiesbaden mit, sowie am 6.3. bei der Bach'schen Matthäuspassion der Schiersteiner Kantorei in der Marktkirche unter Martin Lutz.

Die Männerstimmen singen bei der Kantate „Der Gerechte kommt um“ von J.S. Bach im Konzert des Chores der Stadt Wiesbaden am 11.5. unter GMD Oleg Caetani im Kurhaus mit.

In den Osterferien geht der Chor auf Konzertreise mit a capella Programm nach Italien/Toscana (2.4. - 13.4. in Pisa, Follónica, Grossetto, Siena und Bologna). In Follónica trifft man den Wiesbadener Oberbürgermeister bei bester Bierlaune. Auf dem Konzertprogramm steht „Jesu meine Freude“ von J.S. Bach, Monteverdi, sowie Motetten von Bach, Schütz, Mendelssohn und Reger.

Der Knabenchor singt jetzt regelmäßig einmal pro Monat im Gottesdienst in der Marktkirche Wiesbaden. Es werden wieder zahlreiche Probenwochenende in Langenseifen durchgeführt, sowie eine Herstfreizeit in Norddeutschland (23.10. - 31.10.).

Die Konzertreihe des Wiesbadener Knabenchors wird ebenfalls mit zwei berühmten Knabenchören weitergeführt. Am 9.5. kommt der Windsbacher Knabenchor zu Gast in die Marktkirche, am 28.11. der Knabenchor Hannover. Dieses Jahr beginnen die Bauarbeiten im Dietrich Bonhoeffer-Haus im Chorheim. Der Knabenchor soll Ostern 94 seine eigenen Räumlichkeiten bekommen.

Im Oktober wird ein a capella Konzertprogramm in Dillenburg, Bingen, Steinbergkirche, Kiel und Kelsterbach aufgeführt.

Die Knabenstimmen wirken im November beim Oratorium von Franz Liszt unter F.J. Oestemer mit.

Nach den Weihnachtskonzerten in der Johanneskirche in Bad Kreuznach, in der Bonifatiuskirche Wiesbaden und in Kloppenheim folgt der eigentliche Jahreshöhepunkt. Nach sehr langer Zeit führt der Knabenchor wieder das Weihnachtsoratorium von Bach auf (Teil I-III + V). Am 18.12. in Hattersheim, dann am 19.12. wie gewohnt in der Marktkirche in historischer Aufführungspraxis zusammen mit dem Barockorchester Florilegium. Eines der intensivsten Knabenchorjahre schließt mit der Christvesper in der Marktkirche.

1994

Vom 7.2. - 9.2. ist der estländische Mädchenchor "Ellerhein" aus Tallin zu Gast mit einem Gastkonzert in der Marktkirche, am 6.3. sind es die Limburger Domsingknaben - ebenfalls in der Marktkirche. Nach diesen Gastspielen gestaltet der Knabenchor zwei Konzerte in der Stephanuskirche und in Alsbach an der Bergstraße mit einem anspruchsvollen Konzertprogramm, u.a. Schütz "Cantate Domino", Purcell "Remember not, Lord", Josquin "Tu pauperum refugium", Mendeslssohn "Psalm 43" und "Psalm 100", Reger "O Herre Gott" und "Dein, o Herr", Palestrina "Incipit oratio" und Kodaly "Bergnächte".

Im März ist es soweit, die 180 qm Neubau für den Knabenchor sind fertig. Fehlt nur noch die Möblierung. Eltern und Freunde des Knabenchores können für 75,- DM die Patenschaft für einen der 100 neuen Chorstühle übernehmen. 10 Tische werden von der Nassauischen Sparkasse gesponsert. Vom 27.5. - 29.5 während der Tage der offenen Tür im Jugendzentrum erfolgt die Einweihung der neuen Chorräume.

In der Osterzeit trifft der Knabenchor wieder mit dem englischen Barockensemble Florilegium zusammen. Am Karfreitag (1.4.) wird die "zweite Fassung" der Johannespassion in der Saalkirche in Ingelheim und in der Hauptkirche Biebrich in barocker Aufführungspraxis aufgeführt. Als Vokalsolisten nehmen Sabine Brunke, die Stimmbildnerin Ute Herbert-Reischl, Andreas Karasiak und Clemens Wolf teil.

Im Mittelpunkt der Arbeit bis zu den Sommerferien steht die Produktion einer CD mit dem Musikverlag Schulte+Gerth in Aßlar. Zur Vorbereitung wird eine Chorfreizeit in Hilders vom 20.5.-25.5. durchgeführt.

Im Juni werden Weihnachtslieder (gesetzt vom Wiesbadener Komponisten Heitzmann) vom hessischen Rundfunk aufgenommen. Dies ist jetzt bereits die zweite CD, die der Knabenchor innerhalb von drei Jahren unter Klaus Ullrich aufnimmt.

Auch die zweite Jahreshälfte bietet wieder ein volles Programm für alle Choristen.

Im September werden Konzerte in Wittelsberg und Dillenburg gegeben. Beide Konzerte stehen im Zusammenhang des 100. Geburtstages des Chorgründers Pfarrer Hugo Herrfurth.

Am 5.10. kommt der Kieler Knabenchor als Gastchor in die Marktkirche. In den Herbstferien fährt der Chor auf Chorfreizeit nach Bad Karlshafen (14.10. - 21.10.). Von Bad Karlshafen fährt man am 16.10. in die Frankfurter Festhalle. Der Knabenchor hat die große Ehre, in einer Großveranstaltung, dem „Liederfest zum Neuen Evangelischen Gesangbuch“ mitzuwirken. Vor mehreren tausend Teilnehmern stellt der Knabenchor den Ansingchor des Liederfestes. Eine Woche später trifft man den Kirchenpräsidenten wieder beim Landeserntedankfest in der Marktkirche. Am 30.10. singt der Knabenchor beim Jahreskonzert im Kalle-Albert-Werk auf Einladung des "Kalle'schen Gesangvereins 1888".

Beim Elternabend am 14.11. wird die neue Elternvertretung gewählt: Waltraud Hennemann und Birgit v. Rymon-Lipinski. Wer von beiden ahnte damals schon, was dieses Amt später alles nach sich ziehen wird.

Im November ist der Kammerchor "Aidija" aus Litauen zu Gast in den Knabenchorräumlichkeiten, den man in Danzig kennengelernt hat. Zusammen mit dem Kammerorchester der Musikakademie und dem Vokalensemble, was sich vornehmlich aus Männerstimmen des Knabenchores und ehemaligen Mitgliedern aus früheren Ensembles von Klaus Ullrich zusammensetzt, gestaltet man das "Requiem" von Mozart in der Basilika von Schloss Johannisberg und im Thiersch-Saal des Wiesbadener Kurhauses (20./21.11.). Ohne Pause kommt auch schon der nächste Gastchor vom 22. - 25.11. - diesmal aus einer ganz anderen Ecke der Welt: der "Paarl-Wellington-Youth-Choir" aus Südafrika. Am gleichen Tag eröffnet der Knabenchor auf dem Mauritiusplatz zusammen OB Achim Exner den Wiesbadener Weihnachtsmarkt.

In der Adventszeit werden zwei Konzerte in Meisenheim und Bad Kreuznach und zwei Konzerte zusammen mit dem St. Petersburger Knabenchor und dem Bläserensemble "Orig. Rheingauer Rebläuse" (Leitung Chorvater Karl-Ernst Eschborn) in der Bonifatiuskirche in Wiesbaden und in der Basilika Schloss Johannisberg unter der Schirmherrschaft von Fürstin v. Metternich gestaltet. Am 8.12. singt man wie im Jahr zuvor im Rahmen der Veranstaltung "Ihnen leuchtet kein Licht" auf dem Schloßplatz.

Eine etwas andere Erfahrung macht man dann am 11.12. in einem Privatkonzert der Familie Haupt in Kloppenheim zusammen mit Franz Lambert und Riego Gambini. Es gibt eben verschiedene Musikrichtungen, die aber alle das gleiche Ziel verfolgen: dem Zuhörer Freude bereiten.

Das Weihnachtskonzert findet diesmal am 18.12. in der Hauptkirche Biebrich, anschließend in der ev. Kirche Taunusstein-Bleidenstadt mit Werkern von Heinrich Schütz statt, als Mittel- und Höhepunkt das Schütz'sche Weihnachtsoratorium "Historia der Geburt Jesu Christi" für Soli, Chor und Orchester. Die Solisten kommen aus den eigenen Reihen, die Stimmbildnerinnen Eva Schmidt und Ute Herbert-Reischl. Begleitet wird das Konzert von einem Barockorchester mit Violinen, Gamben, Flöten, Trompeten, Posaunen und Orgel.

"same procedure as every year" - jetzt schon eine richtige Tradition: am 24.12. gestaltet der Knabenchor zum dritten Mal die Christvesper in der Marktkirche und beschließt das Arbeitsjahr.

1995

Die ursprünglich für dieses Jahr geplante Australienreise muss wegen mangelnder Finanzierung verschoben werden. Statt dessen wird kurzfristig eine Litauenreise auf die Beine gestellt. Als Konzertkleidung für weltliche Konzerte werden für die Kanbenstimmen blaue Westen eingeführt; Männerstimmen und Knaben erhalten rote Fliegen.

Anlässlich der planten Reise findet am 17.3. eine Benefizkonzert für Chöre in Litauen im Musiksaal des hessischen Landtags statt: Madrigale des 17. und 20. Jahrhunderts, Chorlieder der Romantik, Volkslieder aus Hessen und Litauen sowie geistliche Chor- und Abendlieder.

Am 10.4. geht es per Flugzeug nach Vilnius, wo man zu Gast beim dortigen Knabenchor und beim Knabenchor Kaunas ist. Weiter Stationen sind Klaipeda und Nidden, am 24.4. kehrt der Chor um viele Erfahrungen reicher heim nach Wiesbaden.

Im September kommt der bulgarische Knabenchor "Gouslartsche-Blagoevski RNS" zwecks Besuch und Konzert im Saal im Dietrich Bonhoeffer-Haus, unmittelbar danach ein Schweizer Knabenchor. Die Knabenkantorei Basel singt im Rahmen ihrer Deutschlandtournee am 12.9. in der Marktkirche in Wiesbaden und bleibt bis zum 14.9. Gast beim Knabenchor.

Anlässlich der Abschaffung des Buß- und Bettags als gesetzlicher Feiertag singt der Knabenchor am 22.11. live in der ARD in einem Fernsehgottesdienst aus der Marktkirche. Die Predigt hält Kirchenpräsident Prof. Dr. Peter Steinacker.

In der Adventszeit erwartet man einen Chor vom anderen Ende der Welt. Der "Imogen Childrens Chorale" aus Australien (Brisbane) kommt zu einem zwölftägigen Besuch. Untergebracht ist der Chor im Jugendheim in Langenseifen und der Knabenchor trägt sämtliche Kosten für dessen Aufenthalt. Im Gegenzug erwartet man natürlich dasselbe bei einem Gegebenbesuch in Australien, der noch zwei Jahre auf sich warten lässt, sich aber später als lohnende Investition entpuppt!

Während des Besuchs gestaltet man zusammen ein Konzert in Sobernheim am 3.12. Am 5.12. singt der Imogen Chorale in der Hauptkirche in Wiesbaden. Es erschließt sich dabei auch eine ganz andere Welt der Chorliteratur. Andrew Lloyd-Webber darf natürlich nicht fehlen.

Leider kommt es zwischen den Sängern und Sängerinnen beider Chöre noch nicht so richtig zu einem Kontakt, da der Chor nicht privat untergebracht ist.

Auch dieses Jahr finden wieder unendlich viele Weihnachtssingen statt: Hotel Rheinblick, Handwerkskammer, Karnevalsverein, Hausfrauenbund, "Ihnen leuchtet kein Licht", Bürgerhaus Sonnenberg, Bürgerzentrum Adlerstraße, Anni-Lang-Haus und - das wars noch nicht ganz - das Weihnachtskonzert am 15.12. in der Marktkirche, zu guter Letzt die Christvesper in der Marktkirche.

1996

Im Januar wird die dritte CD mit Klaus Ullrich „Rosenmüller: Vesperpsalmen und Magnificat“ aufgenommen. Es handelt sich um bisher nicht in Noten verfügbare Werke von Johann Rosenmüller. Die Aufnahmen entstehen in Zusammenarbeit mit dem Ensemble für alte Musik Leipzig „La Soranza“ unter der Leitung von Arno Paduch und dem englischen Vokalensemble „Trinity Baroque“ unter der Leitung von Julian Podger. Trotz großen Zeitdrucks gelingt das Projekt in jeder Hinsicht, und die CD wird zu einer in der Musikwelt vielbeachteten Rarität.

Am 11.2. treten die Männerstimmen zusammen mit dem Chor der Stadt Wiesbaden und der Frankfurter Singakademie in der Alten Oper in Frankfurt mit Bruckners "e-Moll-Messe" auf.

Für geistliche Konzerte wird eine modifizierte Version des Kurrende-Mantels als Konzertkleidung der Knabenstimmen eingeführt.

Wie schon in vorherigen Jahren gibt der Chor am 2.3. in Wittelsberg und am 10.3. in Alsbach ein a cappella Konzert.

In den Osterferien (23.3. - 6.4.) geht der Knabenchor auf zweiwöchige Konzertreise in die Slowakei und zur Probenfreizeit nach Tschechien in ein Sporthotel in der Nähe von Prag.

Im Mai steht der Gegenbesuch des Knabenchor "Varpelis" aus Kaunas/Litauen an, im Juni der Gegenbesuch des Knabenchors aus Bratislava.

Nach den Sommerferien steht schon der zweite Litauische Gastchor vor der Tür, diesmal der Chor der Musikschule in Pasvalys (26.9. - 29.9.). In den Herbstferien findet die Singefreizeit nach 6 Jahren wieder einmal in Hohenunkel statt. Das war zu Beginn der Arbeit von Klaus Ullrich. Die Freizeit dient wie immer der Vorbereitung der Weihnachtszeit. Im Oktober wird auch Eva Schmidt nach langen Jahren erfolgreicher Stimmbildungsarbeit mit einem Kammermusikabend in den Ruhestand verabschiedet.

Auf dem Programm für die Adventszeit stehen wieder internationale Weihnachtslieder: 24.11. Konzert ev. Kirche Klarenthal, 26.11. Eröffnung des Weihnachtsmarktes auf dem Luisenplatz, 30.11. Konzert in der Friedenskirche, 1.12. Konzert in Meisenheim, 8.12. Konzert in Kelsterbach, 15.12. Konzert in der Marktkirche, 22.12 Konzert in der Bonifatiuskirche und 24.12. Christvesper in der Marktkirche.

Die Sänger vor dem Menara-Fernsehturm in Kuala Lumpur
Die Sänger vor dem Menara-Fernsehturm in Kuala Lumpur

1997


Die Johannespassion von Schütz steht in der Passionszeit auf dem Programm, es gibt Konzerte am 9.3. in Biebrich, am 15.3. in der Pauluskirche in Darmstadt und am 16.3. in Alsbach-Hähnlein.

Am 17.3. geht der Knabenchor auf seine bisher weiteste Reise: nach Malaysia und Australien. In Kuala Lumpur ist man zu Gast beim Goethe-Institut und direkt in „China Town“ im Hotel untergebracht. Nach einer Woche in der Hauptstadt Malaysias ist man noch 3 1/2 Wochen in Australien beim "Imogen Childrens Chorale" zu Gast. Auf dem Konzertprogramm stehen primär internationale Volksliedsätze. Diese Konzertreise wird jedem Sänger besonders im Gedächtnis bleiben, denn man erlebt eine ungewöhnliche Gastfreundschaft in Brisbane, sowie viele unvergessliche Konzerte und Begegnungen.

Leider verkündet Klaus Ullrich vor dem letzten Konzert in Australien, dass er sich entschieden hat, die Chorarbeit niederzulegen. Eine folgenschwere Entscheidung für den Knabenchor.

Aufgrund der Kündigung von Klaus Ullrich und finanzieller Schwierigkeiten entscheidet die Landeskirche im Juni, die Trägerschaft des Wiesbadener Knabenchors niederzulegen. Trotz erheblichem Bemühens gelingt es nicht, die Entscheidung umzustoßen. Aber man ist fest entschlossen, aus eigener Kraft den Chor unter privater Trägerschaft weiterzuführen, was in einem gewaltigen Kraftakt gelingt. Der Chor finanziert sich von jetzt an über Mitgliedsbeträge der Chorsänger, Zuschüsse der evangelische Kirche in Wiesbaden, der Stadt Wiesbaden – und über Spenden.

Im August wird die vereinsfinanzierte Chorleiterstelle in der „Zeit“ ausgeschrieben, wenig später liegen zahlreiche Bewerbungen vor.

Nach Gesprächen mit ausgesuchten Bewerbern und Probedirigieren, entscheidet sich der Vorstand des Wiesbadener Knabenchor e.V. für den Holländer Hans de Gilde, der am 14.9. die künstlerische Leitung übernimmt. Hans de Gilde arbeitet an einer Musikschule in Heidelberg und führt die Chorleitertätigkeit als "Zweitjob" aus. Leider nur für ein knappes Jahr.

Am 4.10. singt man zum ersten Mal zusammen beim 25jährigen Jubiläum von Martin Lutz in der Christophorus-Kirche in Schierstein.

Im Dezember werden zahlreiche Weihnachtssingen durchgeführt, nicht zuletzt da der Chor jetzt auf jede zusätzliche Einnahme angewiesen ist. Dieses insgesamt doch sehr aufgewühlte Jahr endet mit dem Weihnachtskonzert am 21.12. und der Christvesper am Heiligen Abend in der Marktkirche.

1998

Am 14.2. fährt man gemeinsam an die Wirkungstätte des neuen Chorleiters, nach Heidelberg, und verbringt dort einen Tag mit Proben, Besichtigungen und einem Singen in einer katholischen Messe.

Im Rheingau, in der evangelischen Kirche Mittelheim, singt der Knabenchor am 29.3. und am 4.4. in der Christopherus-Kirche in Wiesbaden. Der Vorstand erfährt, dass Hans de Gilde aus beruflichen Gründen nach Ulm ziehen möchte und aus diesem Grund die Chorarbeit nicht weiterführen kann. Die Suche nach einem neuen Chorleiter beginnt erneut, diesmal erhält man 15 Bewerbungen und führt ein Probedirigieren durch, bei dem die Entscheidung auf den 28-jährigen Nicol Matt aus Stuttgart fällt.

Am 9. September übernimmt Nicol Matt die künstlerische Leitung.

Das größte Problem für den Chor ist wieder einmal der Nachwuchsmangel, der sich nach den Versäumnissen der vorangegangenen Zeit dramatisch zuspitzt. Es werden Schnupperproben zur Nachwuchswerbung angesetzt. Vom 1.10. - 3.10. hat man den Kieler Knabenchor mit einem Konzert in der Kreuzkirche zu Gast.

In den Herbstferien findet eine Singefreizeit mit dem Nicol Matt in Hohenunkeln statt. In der Adventszeit wirkt der Knabenchor bei einem Benefizkonzert in der Marktkirche mit, die traditionellen Adventssingen in der Bonifatiuskirche und in der Marktkirche sowie zwei Adventskonzerte in St. Mauritius und in der Hauptkirche in Biebrich werden gestaltet. Am 24.12. hört man den Knabenchor wie gewohnt in der Christvesper der Marktkirche.

Der Knabenchor auf der Holland-Konzertreise in Breda
Der Knabenchor auf der Holland-Konzertreise in Breda

1999

Dieses Jahr ist endlich wieder eine Konzertreise geplant. Es geht in den Osterferien vom 22. - 30.3. nach Holland. Stationen sind 5 Tage Aufenthalt in der Jugendherberge Elst, die zum Vorbereiten der Konzerte dienen, anschließend ein 4-tägiger Aufenthalt beim Sacramentskoor Breda und zum Schluss noch zwei Tage in Haarlem beim dortigen Knabenchor. Die Reise wird zusammen mit einem Vokalensemble (Mitglieder des Nordic Chamber Choir) und 4 Schlagwerkern durchgeführt. Auf dem Programm stehen u.a. Bachmotetten mit Schlagwerkbegleitung, eine durchaus experimentelle Art der Aufführung.


Die Osterferien finden ihren krönenden Abschluss in einem Konzert am Ostermontag in der Marktkirche mit dem Programm der Konzertreise. Vom 13. - 15.5 ist dann unser gastgebender Chor aus Breda in Wiesbaden zu Besuch, u.a. mit einem Konzert in der Dreifaltigkeitskirche.

Im Juni steht auch schon das nächste große Projekt an. Der Knabenchor führt zusammen mit dem Südbadischen Kammerchor das Requiem von Hidas auf: zwei Konzerte in Frauenalb, je eins im Kurhaus Sasbachwalden und in der Marktkirche Wiesbaden. Christiane Glotzbach nimmt ihre Arbeit als Leiterin des Vorchors auf und hilft auch die Nachwuchswerbung zu verbessern.

In der zweiten Jahreshälfte gibt es wieder viele Gottesdienste, Adventssingen und das Weihnachtskonzert in der gut besuchten Lutherkirche in Wiesbaden.

Die Vorbereitungen für das große Jubiläum 2000 beginnen. Und nicht zu vergessen: Der Knabenchor besitzt nun eine Homepage „www.wiesbadener-knabenchor.de“.

Der Wiesbadener Knabenchor beim Festempfang in der Rotunde des Biebricher Schlosses 2000
Der Wiesbadener Knabenchor beim Festempfang in der Rotunde des Biebricher Schlosses 2000

2000

Das Jubiläumsjahr "40 Jahre Wiesbadener Knabenchor" wird mit einem Neujahrsempfang im Bonhoeffer-Haus festlich begonnen. Auf dem Empfang werden den zahlreich erschienenen Freunden und Mitgliedern die Pläne für das Jubiläumsjahr vorgestellt. Eine Besonderheit des Jubiläumsjahres ist das Angebot eines Jubiläumsweins.

Bevor der Chor mit der Probenarbeit für das Jubiläumskonzert beginnen kann, stehen zwei weitere Konzertprojekte auf dem Terminplan. Am 21. März singt der Chor im Rahmen der Wiesbadener Bachnacht die Bachmotette "Jesu, meine Freude", bevor gleich am darauffolgenden Wochenende ein weiteres Konzertwochenende in Süddeutschland ansteht. Mit dem Südbadischen Kammerchor und der Stadtkapelle Achern führt der Chor in der Pfarrkirche Achern noch einmal das "Requiem" von Frigyes Hidas auf, außerdem das "Gloria" von John Rutter.

Am Ostermontag singt der Chor im Rahmen des Festgottesdienstes in der Marktkirche ein Programm mit Bach-Chorälen. Danach aber nähert sich der Höhepunkt des Jahres. Das Jubiläumswochenende vom 01. bis zum 04. Juni.

Die Festtage beginnen mit einem Jubiläumsgottesdienst in der Hauptkirche in Wiesbaden-Biebrich, der von Herrn Pfarrer Kratz gehalten wird. Die Festpredigt hält der neu eingeführte Stadtdekan Martin Heinemann. Nach dem Gottesdienst folgt ein Festempfang in der Rotunde des Biebricher Schlosses. Zahlreiche Festgäste sind erschienen, darunter auch der langjährige Chorleiter Dr. Konrad-Jürgen Kleinicke.

Nachmittags werden die Feierlichkeiten mit einem Chorfest im Bonhoeffer-Haus fortgesetzt. Zahlreiche ehemalige Sänger sind aus ganz Deutschland angereist und freuen sich über das Wiedersehen mit vielen alten Freunden und guten Bekannten. Auch musikalisch beweist das Chorfest wieder die große Bandbreite des Knabenchores. Der Bläserkreis stimmt mit einer Intrade ein. Vorchor und die Knabenstimmen führen ein Singspiel auf, das von Christiane Glotzbach einstudiert und inszeniert wurde, während die Männerstimmen ein Trinklied, aber auch moderne Balladen zum Besten geben. Krönender Abschluß: die Revue-Einlage von Christiane Glotzbach!

Das Jubiläumskonzert am 04. Juni im Kurhaus Wiesbaden wird zu einem Höhepunkt der Chorgeschichte. Gemeinsam mit dem Knabenchor collegium iuvenum aus Stuttgart und der Kammerphilharmonie Rhein-Main wird das Konzert gestaltet. Zunächst spielt der befreundete junge Pianist Erik Reischl das zweite Klavierkonzert von Rachmaninow, anschließend folgen der "42. Psalm" von Felix Mendelssohn Bartholdy (Solo: Ute Herbert-Reischl) und das "Gloria" von John Rutter. Der Wiesbadener Knabenchor und sein Leiter Nicol Matt stellten sich in bester Verfassung dar, das konstatierte nicht nur die Wiesbadener Presse.

Das Jubiläumskonzert 2000 im Wiesbadener Kurhaus
Das Jubiläumskonzert 2000 im Wiesbadener Kurhaus

Nach der ereignisreichen ersten Jahreshälfte stehen bis Weihnachten nur kleinere Konzerte an, so erstmalig das Abschlußkonzert der Biebricher Kulturtage in St. Marien Mitte Oktober.

Leider erreicht den Chor wieder einmal eine Hiobsbotschaft. Christiane Glotzbach muß die Chorleiter-Assistenz abgeben, da ihr Referendariat für den Schuldienst beginnt. Glücklicherweise wird mit Corinna Müller-Goldkuhle rasch eine qualifizierte Nachfolgerin gefunden, so daß die Nachwuchsarbeit ununterbrochen fortgesetzt werden kann.

Damit nicht genug. Anfang November steht fest, daß Nicol Matt im folgenden Jahr die Chorarbeit aufgrund seiner Verpflichtungen bei anderen Chören und aufgrund anderer beruflicher Perspektiven nicht in gewohnter Weise fortführen kann. Schon Ende November beginnen die Gespräche mit den ersten Kandidaten um die künstlerische Leitung.

Leicht eingeschränkt werden auch die Konzerte und Adventssingen wieder durchgeführt, so ein Festgottesdienst in der Thomaskirche, das Adventssingen in der Marktkirche und auch die beiden Weihnachtskonzerte in der Hauptkirche und in der Basilika von Oestrich-Winkel mit der "Weihnachtshistorie" und dem "Magnificat" von Heinrich Schütz, sowie dem zeitgenössischen "Magnifact" von Arvo Pärt. Den Abschluß des Jubiläumsjahres bildet wieder die Christvesper in der Marktkirche.

Kulturpreisträger 2013 der Landeshauptstadt Wiesbaden