Der Chor

Der Wiesbadener Knabenchor wurde 1960 von Pfarrer Dr. Hugo Herrfurth an der Wiesbadener Ringkirche gegründet. Von 1964 bis 1989 stand der Chor unter der Leitung von Dr. Konrad-Jürgen Kleinicke, der den Chor in seiner 25jährigen Tätigkeit zu großen Erfolgen führen konnte. Von 1990 bis 1997 leitete Klaus Ullrich den Wiesbadener Knabenchor auf hohem Niveau. Ihm folgte Chorleiter Nicol Matt, der den Chor bis 2001 erfolgreich leitete. Seit 2001 ist Roman Twardy verantwortlicher künstlerischer Leiter des Chores.

 

Der Knabenchor umfasst heute etwa 80 Knaben- und Männerstimmen im Alter von 7 bis 35 Jahren. Durch Chor- und Orchesterkonzerte sowie Konzertreisen hat sich dieses Vokalensemble in der Rhein-Main-Region, in Deutschland und auch international einen Namen gemacht. Regelmäßig singt der Chor in Gottesdiensten Wiesbadener Kirchen, vor allem der Marktkirche, und veranstaltet größere und kleinere Konzerte, a cappella oder mit Orchester, vom unbegleiteten Volksliedsatz bis zu den Oratorien von Johann Sebastian Bach. Einen Schwerpunkt des Repertoires bildet die Musik des Barock, – ein besonderes Gewicht nimmt aber auch die zeitgenössische Chormusik ein.

 

Regelmäßig finden Konzertreisen statt, die den Chor in den letzten Jahren in viele Länder Europas und - auf Einladung des Goethe-Instituts – im Jahr 1997 nach Malaysia und Australien führten. Im April 2004 konzertierte der Wiesbadener Knabenchor als erster westlicher Knabenchor nach dem Ende des Shiwkow-Sozialismus in Bulgarien.

 

Der Wiesbadener Knabenchor pflegt enge Kontakte zu Knaben- und Jugendchören aus dem In- und Ausland. Sie werden in gegenseitigem Choraustausch, Konzertprojekten sowie in Gastkonzerten in Wiesbaden fortgeführt. So finden zum Beispiel seit 2003 immer wieder Treffen mit dem litauischen Knabenchor „Varpelis“ statt, die zahlreiche erfolgreiche Konzerte in Wiesbaden und Kaunas hervorbrachten.

 

Mehrere Rundfunk- und Fernsehaufnahmen (zuletzt im Ostersonntagsgottesdienst 2010 im Hessischen Rundfunk) sowie CD-Produktionen unterstreichen die künstlerische Bedeutung des Wiesbadener Knabenchores. Neben Aufnahmen mit Weihnachtsliedern und zahlreichen Konzertmitschnitten, gewann in Fachkreisen eine Einspielung mit Werken Rosenmüllers sowie der Konzertmitschnitt von Johann Matthesons Passion „Das Lied des Lammes“ von 2005, die einzige Aufnahme dieses Werkes, besondere Aufmerksamkeit. Anlässlich seines 50-jährigen Jubiläums im Jahr 2010 veröffentlichte der Chor außerdem die CD „So Singen Wir“, die das breite Repertoire des Chores vorstellt.

 

Der Knabenchor wird von international bekannten Künstlern und Ensembles zu gemeinsamen Konzertprojekten eingeladen, so z.B. mit René Kollo oder mit dem Madrigal de Luxembourg. 1998 wurde der Wiesbadener Knabenchor in den Verband Deutscher KonzertChöre (VDKC) aufgenommen. 2002 erfolgte in Anerkennung der Verdienste des Knabenchores um den internationalen Choraustausch die Einladung zur Mitgliedschaft in der Europäischen Förderation der Chöre der Union mit Sitz in Brüssel. Im Jahr 2013 erhielt der Chor den Kulturpreis der Stadt Wiesbaden.

 

Der Wiesbadener Knabenchor ist institutionell ungebunden. Seine Arbeit wird von einem Trägerverein gleichen Namens finanziert und organisiert. Der Verein wird unterstützt durch private Förderer, die Stadt Wiesbaden und die Kirchengemeinden Wiesbadens, insbesondere durch die Evangelische Gesamtgemeinde Wiesbaden.

 

Die Chorschule des Wiesbadener Knabenchors umfasst neben dem Konzertchor mehrere weitere Ensembles und Angebote. Jungen ab sechs Jahren besuchen den Vorchor. Mit etwa zehn Jahren erfolgt üblicherweise der Übergang in den Konzertchor, in dem Jugendliche auch während des Stimmbruchs betreut werden und anschließend als Männerstimme weiterhin singen können. Daneben bietet der Bläserkreis des Wiesbadener Knabenchores den Sängern, aber auch Angehörigen und anderen Interessierten, die Gelegenheit, ein Blechblasinstrument zu erlernen und im Ensemble zu spielen.

Der Wiesbadener Knabenchor vor Schloß Biebrich
Der Wiesbadener Knabenchor vor Schloß Biebrich

Kulturpreisträger 2013 der Landeshauptstadt Wiesbaden